Heul doch!

Ich sitze ausnahmsweise mal wieder an meinem Schreibtisch. Habe Cubase auf, das Keyboard neben mir blinkt und ich bastle an einem Remix … naja, um ehrlich zu sein, ich fange erst an. Momentan dudel ich nur auf den Tasten herum und überlege wie es klingen sollte. Irgendwie würde ich das echt gerne machen, aber der Einstieg fällt mal wieder schwer. Bin mir gar nicht so sicher warum. Natürlich hätte ich auch noch Arbeit zu erledigen. Und der Mückenstich an meinem Arm juckt. Drecks Mücken. Unproduktiver Tag, unproduktive Woche … und wenn’s dumm läuft auch eine unproduktive Nacht. Wenigstens das kann ich, unproduktiv sein.

Ja, ihr merkt schon worauf das hinausläuft, ich auch. Ich laufe herum wie ein Zombie, mir gefällt mein Zustand überhaupt nicht. Alles erscheint gerade, mal wieder, sinnlos. Dieser Zustand … diese komische Leere … und so langsam ruft diese Leere nach Befriedigung. Bin ich überfordert? Aber wovon denn? Ich mache so gut wie nichts hier im Haushalt, Sam schmeißt das alles alleine. Ich kümmere mich nicht um meine Tochter und arbeiten tue ich auch nur wenn’s Not tut. Bei all dem Nichts-Tun, was soll mich denn da überfordern? Ich bin immer noch ein Arschloch das nur auf sich selber schaut, verfolge weiter meinen Egotrip mit Tunnelblick.

Nur im Hier und Jetzt zu leben, bringt’s irgendwie nicht. Die Vergangenheit versinkt im Nebel und vor dem bildlichen Morgen steht eine Wand. Ich weiß nicht wo ich hin will, was ich erreichen will. Will ich überhaupt wirklich irgendetwas? Wahrscheinlich sind selbst meine Wünsche profilbedingt. Würde mich nicht wundern. Ich habe so viel materiellen Krempel, viel zu viel Geld ausgegeben, Impulskäufe. Was habe ich davon wirklich gebraucht? Was habe ich davon wirklich gewollt und warum? Und nun? Fast 50k Schulden, Konto am Limit und es wird echt eng werden bis zum Ende des Jahres. Meine Schuld? Ja, sehr wahrscheinlich … nein, nicht nur wahrscheinlich sondern: jap. Ich arbeite an diesen Impulskäufen … oder, nein, irgendetwas in mir geht direkt dagegen und meint, ‚das brauchst/benutzt du eh nicht‘.

Dreck, ich kann noch nicht einmal definieren wie es mir gerade geht. Was ist denn das für eine Scheiße? Obwohl das ja auch mal eine geile Antwort wäre: „Wie geht es dir?“‚Weiß ich nicht‘. Hm, wie geht es mir? Ich habe das Gefühl das mir etwas fehlt. Was das ist? … keine Ahnung. Ich kann mich gerade, wie so oft, echt nicht leiden. Hass ist es nicht, ich bin irgendwie genervt und enttäuscht von mir. Hätte ja echt Lust mich zu besaufen, ist auch alles da, aber etwas in mir wehrt sich auch dagegen und vergrault es mir. Jeder in meinem Umfeld wird von mir verletzt, enttäuscht, belogen, verraten und im Stich gelassen und das passiert früher oder später oder ist bereits … und meistens mehrfach. Warum zum Henker bleibt ihr bei mir? Das ist doch sinnlos. Kann nicht verstehen wie jemand freiwillig in meiner Nähe sein will. Wirklich nicht. Eigentlich will ich doch niemandem weh tun. Ich weiß doch wie sich seelische und körperliche Gewalt anfühlt, da kann ich auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen. Wie ein blinder Elefant im Porzelanladen stampfe ich umher.

Es ist als würde ich einen Kampf gegen mich selber führen. Mein Gegner hat im Moment die besseren Argumente und ich will nicht diskutieren. Diese Stimme der Vernunft da immer, oder was es sonst ist … und ich nur so: ‚whatever, dann eben nicht‘. Fühlt sich komisch an. Ja, wahrscheinlich ist mir immer noch alles irgendwie egal. ‚Ziele definieren‘ … Klugscheißer. Kann oder will ich nicht. Alleine schon dieses beschissene ‚kann oder will‘ ständig … zum kotzen … noch nicht einmal das weiß ich. Wie mich dieses ständige alle-Eventualitäten-miteinschließen nervt. Ich bin es so leid mich zu rechtfertigen, mich zu erklären … weiß doch selber nichts. Ja, genervt und enttäuscht von mir trifft es und wütend bin ich auch auf mich.

Mein ‚Zimmer‘ kotzt mich an. Unpersönlich, wie eine Zelle, nach Zuhause fühlt sich hier nichts an. Ja, ich kann die Türe abschließen, Kopfhörer anziehen und bekomme nichts mehr mit, wundertoll. Immer schön weiter wegrennen und verstecken, macht alles bestimmt viel besser. Aber, um ehrlich zu sein, ein Zuhause, also einen Ort an dem ich mich wohl gefühlt habe, hatte ich tatsächlich noch nie. Ich hatte nie das Bedürfnis mir einen Ort so herzurichten, wie ich es gerne hätte. Es ist immer nur Flickwerk, Dinge die andere mitgebracht oder entschieden haben, Pragmatismus. Eine persönliche Note haben die Zimmer, die ich bewohne nie. Warum das so ist? … da gibt es einige mögliche Erklärungen, ist aber auch egal warum.

Rückblickend fühlt sich mein Leben nicht nur wie eine Lüge an, nein, auch wie eine Verschwendung. Nichts erreicht, nichts geleistet, nur Mist gebaut, Leben ruiniert, Menschen verletzt … und immer schön das Opfer gespielt. Sinnlos, wertlos, funktionslos … überflüssig. Meine Güte habe ich eine miese Laune, merke ich gerade. Egal. Wo soll ein Zombie auch gute Laune herbekommen? … ist doch nur eine leere Hülle. Wegrennen, verstecken, verschwinden. Whatever.

Gute Nacht Nimmerland.

2 Kommentare zu „Heul doch!

  1. Was mir dazu spontan einfällt: Du bist es leid, dich zu rechtfertigen? Dann lass es bleiben.
    Deine Zeit fühlt sich verschwendet an? Mach was aus der kommenden Zeit – oder finde dich damit ab, Zeit zu verschwenden. Muss ja nichts Schlechtes sein. Das Problem dabei ist nur, dass es uns andauernd schlechtgeredet wird. „Du musst was aus deinem Leben machen, du kannst nicht nur rumliegen, du musst doch was erreichen, du kannst doch xy, als musst du auch, du musst, du musst, du musst, du musst“. Warum eigentlich?
    Hilft dir wahrscheinlich gerade nicht weiter. Wollte dir eigentlich nur dalassen, dass es völlig okay, beschissene Laune zu haben. Inbesondere dann, wenn’s dir egal ist, dass es so ist. Geniess es – ändert sich früh genug wieder;).
    Cheers
    Elín

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