Eisprinz

Ja, es geht mal wieder um Gefühle, um meine natürlich. Ich habe im Moment einfach keinen Zugang zu denen. Es ist als wären keine da und jede ‚Gefühlsregung‘ fühlt sich künstlich, einstudiert, aufgesetzt an. Stille im Kopf, Stille im Herzen. Jede ‚Freude‘ erscheint so kurzweilig, wird zwar nicht vergessen, hallt aber nicht mehr nach. Als würde ich in den Momenten eine ‚Erfreut-Maske‘ aufsetzen, mir dieses Gefühl einsuggerieren und nach absetzten der Maske ist alles vorbei.

Klar, ich könnte nun wieder aktiv den alten Mustern nachgeben und mich wohl recht fix wieder in ‚Liebe‘ oder ähnliches hineinmanipulieren, aber das bringt ja nix. Nur um zu fühlen wieder den ganzen Rattenschwanz da verdauen? Nein danke. Ich kann noch nicht einmal sagen ob ich das nun gut oder schlecht finde. Es ist fürchterlich ungewohnt das ich mich eben nicht direkt ‚verliebe‘. Und all diese anderen seltsam oberflächlichen ‚Gefühlsregungen‘, so fremd, so sinnlos. Werde wohl gleich mal wieder schauen mich in diese, durch Musik erzeugte, Euphorie-Explosion zu bringen. Die ist ja normalerweise so heftig, da ist mir dann auch egal ob das künstlich ist.

Vielleicht fühlt sich das alles auch nur künstlich an, weil die Art, wie ich bisher Gefühle erzeugt habe zur Normalität geworden ist. Keine Ahnung. Diese Gefühlsmasken sind jedenfalls nicht befriedigend, dann lieber gar keine. Obwohl, ‚befriedigend‘ ist hier das falsche Wort, es fühlt sich eben so an als mache es keinen Unterschied ob ich diese Masken nun aufhatte oder nicht. Hmpf. Vielleicht liegt es auch nur mal wieder daran, das ich nicht weiß was ’normal‘ ist.

Zum Tag: Ich höre schon zum x-ten Male Silke Bischoff – On The Other Side heute. Ja, der Tod von Felix Flaucher hat mich erneut an das Stück erinnert, doch ist dieses Lied schon ewig fester Bestandteil meiner ’schwarzen Romantik‘. Auf der anderen Seite sehen wir uns wieder … es ist immer wieder ein angenehmes Gefühl dieses Stück zu hören, auch wenn sich mein Blickwinkel doch arg geändert hat.

Heute hatte ich Jessie besucht, war gut zehn Stunden mit ihr zusammen. Wir haben fast den ganzen Tag auf der Couch verbracht. Zuerst einige Stunden gequasselt, dann kuschelnd sieben Folgen der zweiten Staffel von iZombie, mit Essenspause dazwischen, geschaut. Jeder hat ja andere Vorstellungen von einem schönen Tag, doch für mich war der heutige sogar wunderschön. Obwohl, war er das wirklich? Ich kann gerade nicht wirklich auf die Freude von heute zugreifen. Aber heißt das, das es nicht schön war? Oder sagt der Umstand, das ich noch keine Gefühle für sie entwickelt habe irgendetwas über unsere Freundschaft aus? Bei all den Ähnlichkeiten, Gemeinsamkeiten und Gegensätzen wäre ich normalerweise schon lange im ‚Liebeswahn‘, doch diesmal ist es anders. Ungewohnt. Fremd. Ungewollt? Nun ruiniere ich mir mit meinen scheiß Gedanken bereits schöne Stunden.

Ich weiß nicht warum ich gerade so kalt und doch melancholisch bin. Es ist doch genau was ich wollte, eine Freundschaft die sich entwickelt, wie sie sich entwickelt. Warum verlange ich dann bereits jetzt wieder nach meinen Profilen? Ich weiß doch wohin dieser Müll führt, was ich mir und anderen dann wieder antue. Ich verstehe mich echt nicht, aber egal, solange ich mich in die ‚richtige‘ Richtung manipulieren kann, sollte es mir doch recht sein. Trotzdem habe ich das Gefühl, das ich ‚ich‘ war heute. Kein spiegeln, kein übertriebenes Verhalten, keine Geschichten, nichts schockierendes und sehr wenig, von dem ich nun denke, das ich es falsch gemacht hätte. Rational betrachtet also ein guter Tag. Und dennoch … warum bin ich dann gerade so leer? Naja, vielleicht denke ich da noch ein wenig nach. Nun erstmal endlich den Wisch für die Therapie wegschicken, bevor Sam mich wieder zu einem Wutanfall bringt.

Ein Kommentar zu „Eisprinz

  1. So leer du dich gerade fühlen magst, so spürbar sind deine Worte. Die Beschreibung des Tages mit Jessie, dein Gefühl, echt gewesen zu sein, das Hintersinnen, warum die altbekannten Muster gerade nicht auftauchen, das alles wäre nicht möglich, wenn du emotional abwesend wärst. Du spürst nämlich, dass du eben nicht verliebt bist – und um das zu Wissen, reicht der Verstand nicht aus.
    Dass nach einem so emotionalen Tag die Gefühle erst mal pausieren, ist ja auch völlig normal, gerade für ‚unsereins‘. Wir empfinden so viel stärker, dass wir nach derartigen ‚Ausbrüchen‘ auch eine längere Pause brauchen, um die seelischen Akkus wieder aufzuladen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Leere nicht das Ergebnis von zu wenigen, sondern von zu vielen Gefühlen ist. Was anstrengend ist, aber auch irgendwie gut; immerhin heisst das, dass sie da sind. Nur nicht immer auf Wunsch abrufbar und zugänglich.

    Ich wünsche dir viele fühlbare Stunden.
    Alles Liebe
    Elín

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