Erinnerungen

Es ist ja immer so, ich lese etwas, ein Blog Post, eine Unterhaltung und ich fange an nachzudenken. Diesmal war es ein Blog Post der mich wieder an ein Problem, das ich selber habe, erinnert hat: meine Erinnerung. Seit nun auch noch diese andere Diagnose im Raum steht, ist die Vergangenheit sogar noch verschwommener.

Es ist schwierig, gefühlt unmöglich, zu sagen was wirkliche Erinnerungen sind und was Träume oder Geschichten, die ich erzählt habe, um mein Profil zu befriedigen. Das ich solche Geschichten auch erfunden habe, weiß ich. Allerdings weiß ich auch das einiges wirklich passiert ist. Klingt wieder paradox, ja. Dieses ‚ich weiß‘ ist auch nicht wirklich absolut zu sehen, es ist unterscheidlich stark in der Überzeugungskraft.

Das die Erinnerung an mein Leben nur aus Bruchstücken, kurzen Episoden, besteht, habe ich ja bereits mehrfach erwähnt. Ich weiß nicht, wie ’normale‘ Menschen sich erinnern, daher habe ich natürlich keinen Vergleich. Ich sehe auch kein Muster darin, was ich behalte und was nicht, da ist also auch kein Verdrängungsmuster zu erkennen. Viel schlimmer ist, das sich mein Kopf zu weigern scheint, neue Erinnerungen zu speichern. Teilweise weiß ich nicht mehr, was ich vorher am Tage gemacht habe oder worüber man vor zehn Minuten gesprochen hat. Und ‚gestern‘ oder ‚letzte Woche‘ ist meistens kaum noch greifbar. Allerdings auch nicht immer oder alles. Es erscheint komplett willkürlich und das ist wohl das schlimmste daran. Klar gibt es immer wieder Dinge die ich lieber vergessen würde, wenn die bleiben ist es nicht so schlimm, aber schöne Erinnerungen … die will ich behalten und da tut es echt weh wenn die meinem Gedächtnis entschwinden.

Eigentlich müsste ich tatsächlich Tagebuch führen. Vielleicht sollte ich mir das echt angewöhnen. Aber ein ’sachliches‘ Tagebuch, in dem es darum geht, das Geschehen des Tages neutral festzuhalten. Für’s herumphilosophieren habe ich ja den Blog hier. Aber das müsste Routine werden, und Routine ist schwer für mich. Dinge immer auf die gleiche Art zu machen, wiederstrebt mir unbewusst und ich breche da ebenso unbewusst, automatisch aus. Schon so Dinge wie sich die Schuhe binden, mache ich immer gleich, wahrscheinlich jeder, und dann kommen die Momente wo mein Kopf dagegen geht und ich das auf einmal ganz anders mache, das verwirrt in dem Moment echt. Dieses Ding mit der Routine ist auch, warum ich solche Schwierigkeiten habe, einen Job für lange Zeit zu machen. Irgendwann kommt das Tagesgeschäft, die Routine, die Wiederholungen und ab da ist es dann vorbei. Ich weiß ja nun woher es kommt.

Ja, nicht nur das man seinen Worten und Reaktionen nicht trauen kann, nein, selbst den Erinnerungen muss man misstrauen. Das ist eine für viele wahrscheinlich kaum vorstellbare Unsicherheit in der man ständig lebt. In vielen Fällen fehlt dann auch noch eine verlässliche Quelle zum validieren, so das man völlig alleine ist mit den Gedanken. Wenn dazu dann noch dieses BPS ‚ganz-oder-garnicht‘ dazu kommt, pendelt man innerlich ständig zwischen ‚alles-gelogen‘ und ‚alles-wahr‘. Da eine saubere Mitte zu finden fühlt sich unmöglich an.

Ich wünsche mir wirklich das sich dieses Erinnerungsproblem lösen lässt. Wenn die ferne Vergangenheit nicht zurück kommt, ist es nicht schlimm, aber die neuen Erinnerungen, die welche ich gerade erlebe, die sollten doch bitte bleiben.

2 Kommentare zu „Erinnerungen

  1. Hej
    Habe heute deinen Blog entdeckt, vieles gelesen und wolte dir dann auch einen Kommentar dalassen. Weil mich berührt, was du so schreibst. Ironischerweise besonders die Stellen, an denen dich selbst so gar nichts mehr zu berühren scheint. Vielleicht, weil ich sie selbst kenne, diese ekelhafte Glasglocke, unter der man sitzt und dazu verdammt ist, das Leben zu beobachten, das draussen vorbeizieht. Man sieht das alles, man sieht die Sonne, den Regen, Strassen, sogar Lärm sieht man, aber alles prallt ab, bevor es zur Berührung kommt. Borderline und die Leere; echt kein schönes Kapitel.
    Aber ich schweife ab, sorry.
    Denn eigentlich wollte ich etwas zu Erinnerungen schreiben. Obwohl ich mich seit fast sechs Jahren wieder an alles erinnern kann, was war. Wäre manchmal schön, etwas mehr zu vergessen, aber eigentlich ist es besser so. Nun ja. Ich wollte dir bloss sagen, dass ich dir sehr wünsche, dass die schönen Erlebnisse bleiben dürfen. Und dass ich wieder vorbeischauen werde.

    Best regards
    Elín

    Gefällt 1 Person

    1. Dankeschön für die lieben Worte. Ja, der blöde Kopf. Da ist bestimmt irgendwo ein Abfluss verstopft und woanders ein Korken. Davor das jemand den Korken zieht habe ich irgendwie Angst, den Abfluss könnte man aber ruhig mal reinigen. (Aha, ja, man merkt das ich gerade deinen Blog gelesen habe, spiegeln geht schneller und automatisierter als ich das bemerke. 😀 ) Nun denn.

      Ich werde bei dir auch mal mitlesen, es tut immer gut von Menschen zu hören die kämpfen und nicht aufgeben. Wünsche die weiterhin viel Kraft und noch mehr Freiheit über und unter den Wolken. Danke.

      Gefällt mir

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