Wer bin ich?

Ja, diese Frage aus den letzten Tagen bleibt bestehen, allerdings hat sie einiges von dieser panischen Verzweiflung, die man aus den letzten Posts hier und da herauslesen konnte, verloren. Nachdem ich nun ein wenig schlafen konnte, versuche ich das alles mal etwas nüchterner zu betrachten und etwas Ordnung in das Ideenchaos zu bringen.

Ja, die Idee mit der DIS musste ja kommen, aber das ist Unsinn. Ich denke auch nicht, das ich das wirklich ernsthaft in Betracht gezogen hatte. Es gibt einfach keine (ernsthaften) Indikatoren für eine DIS. Man könnte nun Indizien benutzen, klar, aber das hält keiner Prüfung stand und wird daher nun verworfen.

Meine Fixierung auf die Opferrolle, ja, die ist real und, ja, mir war das tatsächlich nicht bewusst gewesen. Wenn man nun dieses Opfer-Sein zur Maxime meines Handelns macht, ergeben sich automatisch gewisse Verhaltensweisen, verständlich. Meine Schwester würde nun sagen, ich solle nicht alles pathologisieren, womit sie natürlich recht hat. Jeder möchte sich natürlich gut darstellen, und die meisten haben dafür auch bestimmt schon einmal gelogen. Allerdings kommt es hier stark auf Motivation und Intention an. Sich ständig als Opfer hinstellen zu wollen erfordert natürlich, das man die anderen zu Tätern macht … und, ja, ich habe dafür Tatsachen verdreht (tatsächlich aber nicht immer bewusst), Dinge verschwiegen und, leider, auch immer wieder gelogen. Das zu realisieren schmerzt schon, vor allem da ich der Meinung war, das ich eben nicht als Opfer gesehen werden will. Das ist mal ambivalentes Verhalten in Vollendung, die zweite Strömung davon hat sich einfach vor mir versteckt … oder ich hatte sie ignoriert.

Ich wusste natürlich schon, das ich, wenn ich will, ein ziemlich mieses Arschloch sein kann, allerdings sind da einige Dinge gelaufen die ich mir überhaupt gar nicht erklären kann. Ja, in diesen Situationen war ich nicht nüchtern, korrekt. Das völlige Fehlen der Erinnerungen daran, kann man daher tatsächlich auf den Substanzmissbrauch schieben, auch richtig. Allerdings kann ich mir nicht erklären, wie sich meine Ansichten und Charakterzüge so extrem verändern konnten in diesen Phasen. Da sind Dinge, die ich gesagt haben soll, so etwas würde ich nicht einmal im voll getriggerten, kurz-vor-ich-bringe-dich-um Zustand zu jemandem sagen, zumindest dachte ich das bisher. Das entzieht sich alles, bisher, leider meiner Analyse da ich nun einmal keine Erinnerungen daran habe. Und ich meine wirklich keine. Das muss ich ab nun einmal im Auge behalten.

Das Erzeugen von Schuldgefühlen beim Gegenüber ist generell erstmal auch nicht pathologisch, aber in meinem spezifischem Falle schon, meiner Meinung nach. Ich war überzeugt davon, das ich das überhaupt nicht damit sagen wollte. Es gibt so viele Situationen in denen ich sagen musste, ’so war das doch gar nicht gemeint‘. Leider, oder zum Glück, habe ich gerade keinen solchen Brief mehr hier, hatte alles gelöscht, naja, irgendwer wird schon noch so einen haben. Wenn ich mich jedoch daran erinnere, was ich geschrieben habe, soweit ich noch Erinnerungen daran habe, und objektiv analysiere … autsch. Das sticht einem förmlich in’s Auge und es ist mir völlig unverständlich, wie ich das schreiben konnte ohne die wirkliche Intention zu bemerken.

Das, was für die Erzeugung von Schuldgefühlen gilt, gilt für das Verletzen meines Gegenübers ebenso. Auch hier war ich der Meinung, das ich das so doch gar nicht sagen wollte, jedoch spricht das, was ich schrieb oder sagte, eine ganz andere Sprache. Mir völlig unverständlich wie ich mich so belügen und manipulieren konnte.

Der Umstand, das ich Freitags noch ‚unsterblich verliebt‘ und Samstags dann völlig ohne Gefühle zu ‚ihr‘ da stand, gibt mir wirklich zu denken. Das was ich empfunden habe, war doch echt, es hat sich echt angefühlt, und ich war (und bin) der Meinung es sei Liebe oder zumindest meine gefühlsmäßige Interpretation davon. Aber, normalerweise schaffe ich das nicht, Gefühle einer solcher Intensität von jetzt auf gleich, und dann auch noch unbewusst, auszuschalten. Waren diese Gefühle nun gar nicht vorhanden? Nein, ich denke sie waren real. Warum konnten sie dann so einfach verschwinden und vor allem, warum ging das letzten Dezember nicht? (Man denke auch an die Geschichte mit Lucy hier.) Ja, ab hier komme ich in Erklärungsnot. Vielleicht kann ich Gefühle tatsächlich abschalten. Vielleicht hatte ich diese Gefühle unbewusst selber am Leben erhalten und konnte sie deshalb so einfach abschalten. Es gibt noch weitere Möglichkeiten, aber gerade denke ich das ich alleine eventuell nicht dahinter steigen werde. Was mir nun erstmal bleibt ist, das ich meinen Gefühlen gegenüber extrem misstrauisch bin und teilweise deren Existenz in Frage stelle. Hier hilft wohl primär Zeit und Gespräche mit jemandem der davon Ahnung hat.

Diese ganze Opfer->Mitleid<-Schuldgefühle Nummer und der Umstand das ich mein manipulierendes Verhalten nicht mitbekommen habe, wirft auch ein interessantes Bild auf meine Beziehungen. Für mich liegt es tatsächlich im Bereich des möglichen, das ich mir unbewusst absichtlich diese Schmerzen habe zufügen lassen. Von meinem jetzigen Standpunkt aus betrachtet, ist dies eine recht gute Erklärung für einiges. Allerdings, wer war denn das Ziel für das Mitleid, das ich durch das Erleiden dieser Schmerzen erzeugen wollte? Meine Partnerin? Zukünftige Partnerinnen? Die Welt? Diese Theorie, obwohl sie tatsächlich Sinn macht, verfolgt ein mir unverständliches und daher irgendwo sinnloses Ziel. Das braucht definitiv mehr Analyse.

Mein Leben fühlt sich nun tatsächlich wie eine Lüge an, hauptsächlich durch die Tatsache, das mein Denken und mein Handeln nicht in Einklang waren. Das, was ich als meinen Charakter dachte zu kennen, passt so gar nicht zu dem, wie ich wirklich gehandelt habe. Nun muss ich erst einmal herausfinden, was denn nun der Wirklichkeit entspricht. Das ist zum Glück etwas, das automatisch passiert und alles was hierfür benötigt wird ist Zeit.

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