Ich, der Täter, Pt. III

Wunderbar, typisch, so typisch ich. Jetzt sitze ich hier und habe gar keine Ahnung mehr was ich glauben soll. Ich habe so die Schnauze voll von mir, ich hasse mich so dermaßen. Verfluchte Scheiße, wer bin ich denn überhaupt? Diese Frage war noch nie so präsent wie gerade jetzt. Ja, Schlafmangel und Speed machen das alles nicht besser, ich weiß. Der Druck ist nicht mehr ganz so schlimm, dafür die Leere umso mehr. Nachher im Büro dann wieder Maske aufsetzen, denn mir geht’s ja blendend … ja, und die Sonne scheint mir aus dem Arsch.

Ich will nicht mehr ich sein. Das. Geht. Gar. Nicht. Keine Ahnung wie ich nun damit umgehe, professionelle Hilfe wäre jetzt praktisch, die hätte einen objektiven Blick von außen und könnte mir sagen ob ich richtig liege. Aber ich lüge ja sogar die Therapeuten an, so kann ich mir deren Hilfe direkt in den Arsch stecken, bringt so rein gar nix. Nein, so wenig mir das gefällt, aber ich muss das wirklich mit mir selber ausmachen, ohne Sicherungsnetz. Was heißt mit mir ausmachen … nein, ich muss aus dieser Rolle raus, irgendwie … zumindest weit genug weg davon, das ich therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen kann, ohne zu lügen, oder ich die Kraft habe das hinterher zuzugeben und aufzuklären. Komme mir gerade echt vor, als hätte ich ’ne multiple Persönlichkeit. „Suchst du Ausreden um doch nicht Schuld zu sein, was?“Schnauze. Ich bin echt immer noch wie betäubt … verwirrt und verunsichert. Und bis am Freitag um 13 Uhr muss ich was für die Arbeit vorzuweisen haben. In meinem Kopf ist entweder nur Rauschen oder die Gedanken überschlagen sich. Ja, ich finde immer mehr Dinge, die meine Theorie belegen würden. Allerdings bin ich ja wohl Meister im mich selber belügen, so das dies alles überhaupt nicht aussagekräftig ist.

Aber, wie gesagt, es erklärt verdammt viel. Ist eigentlich eine klasse Theorie. Der Punkt der weniger toll ist … ich habe mir mein Leben selber kaputt gemacht und nicht nur meines. Ich habe anderen versucht, meine Probleme aufzustempeln. Wenn ich mich selber verletzt habe, habe ich es benutzt um damit andere zu verletzen, emotional. Wenn es mir wegen irgendetwas Scheiße ging, habe ich alles dran gesetzt das gewisse Menschen das auch sehr wohl zu spüren bekommen. Die ganze Zeit habe ich nur auf mich geschaut, auf das was ich will … und habe mir doch alles selber zerstört. Oben hatte ich geschrieben, das ich mich hasse … gerade nicht, gerade ist da gar nichts mehr. Selbst meine Gefühle scheinen Lügen gewesen zu sein. Wie kann man denn so etwas aus sich machen ohne sich daran zu erinnern? Das kann doch nicht gehen. Aber dann müsste ich es ja wissen, oder? Kann doch nicht sein das diese Veränderung ohne mein Wissen passiert ist … und vor allem wann? Bin ich so süchtig nach Mitgefühl, nur weil ich damals selber keines abbekommen habe? Wäre zu einfach.

Was soll ich denken, was fühlen, was tun? Erstmal gar nichts, denke ich, keine Zeit gerade, keine Zeit. Von mir aus denkt doch das ich mich hier schon wieder rauslügen will, ich kann’s nicht mehr ändern. Sam glaubt mir auch kaum noch was. Wieso habe ich nichts davon mitbekommen? Wieso erinnere ich mich nicht daran, was ich für abartig verletzende Dinge zu Sam gesagt habe. Ich sagte zu ihr, zum Beispiel, sie könne sich ruhig mit meinen Medikamenten umbringen, nur bitte nicht mitten in der Wohnung, muss ja nicht das erste sein das ich sehe, wenn ich nach Hause komme. Und das ist im Vergleich zu manch anderen Dingen noch harmlos. Wer macht denn bitte so etwas ohne sich daran zu erinnern? Außerdem will ich das gar nicht. Oder belügt Sam mich etwa? Jep, Paranoia fehlt jetzt noch. Ich gehe mal davon aus, das sie die Wahrheit sagt. So eine Scheiße traue ich ihr nicht zu, dafür kenne ich sie zu lange. Obwohl, wer kennt sie schon so lange, welches Ich? Ich kann die ganze Scheiße nicht validieren und das kotzt mich an. Ich weiß nicht mehr wem ich glauben soll.

Ich will so nicht sein. Das bin nicht ich, das kann nicht sein. Ich will das nicht glauben. Es darf nicht sein. Ich muss diese Gedanken jetzt stoppen, dringend. Das läuft in eine gefährliche Richtung und ich muss noch unter Menschen, Menschen von denen meine Existenz abhängt da sie für meinen Unterhalt sorgen. Das ist wichtiger als ich jetzt. In meinem Kopf tobt es wieder … Überdosis Pepp, hätte ich genug hier … Rasierklingen, damit kann ich tapezieren … Mirtazapin, habe ich noch 50 Stück oder so … Vodka noch eine dreiviertel Flasche … hier liegen überall irgendwelche Taschenmesser herum. „Feiges Arschloch, kommst nicht mit dir selber klar und willst deine Opfer nun zurück lassen? Dich ohne Erklärung davon machen, so wie du es immer tust? Du bist erbärmlich, nein, für dich finde ich keine Worte, die müssten erst erfunden werden.“ Fuck! Fuck! Fuck!

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