Ich, der Täter, Pt. I

Ich muss hier ein paar Dinge klarstellen, dringend. Vor allem vor mir selber muss ich das einmal ausformulieren. Selbstmitleid und Selbstwert werde ich versuchen aus diesem Post herauszuhalten, sollte es doch danach klingen, einfach an diesen Satz hier erinnern.

Ich sehe mich so häufig in der Opferrolle, die kenne ich, darin scheine ich mich wohl zu fühlen. Was ich dabei jedoch nicht erwähne ist, das ich ebenso Täter bin. Ich bin nicht immer das arme Opfer, gequält und manipuliert von seinem Profil, nein. Viel zu häufig bin ich selber Täter, sei es gewollt oder nicht. Obwohl, Selbstkontrolle ist meine Aufgabe, ich habe mich gefälligst in Zaum zu halten, da darf es keine Ausnahme geben. Der Angst vor mir selber, das ich mal jemanden körperlich auf’s übelste verletzen könnte, fehlt das Gegenstück – die Angst davor, Menschen emotional zu verletzen, den Spieß umzudrehen. Darüber habe ich, wie mir vorhin aufgefallen ist, nie wirklich nachgedacht. Ständig rede ich mich raus, wie mich doch meine Probleme steuern und beeinflussen und ja, obwohl ich sage das ich es nicht tue, verstecke ich mich immer wieder hinter meiner ‚Krankheit‘, schiebe sie vor. Letztes Jahr bin ich das erste Mal Sam gegenüber handgreiflich geworden. Ich hatte meine Hand an ihrer Kehle und hatte sie am ausgestreckten Arm gegen eine Tür gepresst. Es war der besagte Abend, an dem das mit ‚ihr‘ zerbrach. Das hätte nicht so weit kommen dürfen, ich habe den Moment gefühlt, in dem ich die Kontrolle los ließ … mit Absicht. Ich fühlte mich im Recht, war wütend und verletzt, aber das ist keine Entschuldigung. Die Kontrolle darf mir nicht entgleiten und sie willentlich loszulassen geht überhaupt nicht.

Ich rede mich gerne heraus, das ich ein Kommunikationsproblem habe, Dinge nicht so gut formulieren kann und dann, angeblich aus versehen, verletzend werde. Das ist bullshit. Ich weiß sehr wohl was ich schreibe, nur habe ich das mir gegenüber bisher nicht zugeben wollen. Der Weg des geringsten Widerstandes, das war schon immer mein Pfad und auf diesem Pfad bin ich ein egoistisches, verlogenes, hinterhältiges, manipulierendes Arschloch, das ist eine objektive Feststellung. Nein, ich werde hier nun nicht nach Gründen für dieses Verhalten in meiner Kindheit suchen, noch mein Borderline-Ich vorschieben, nein, diesmal bin ich kein Opfer.

Ich stürze mich willentlich in Erklärungen, die einfach erscheinen und lasse mich so, relativ einfach, wie ich zugeben muss, manipulieren. Ist mir gerade nützlich, erscheint einfach, nehme ich, ohne Rücksicht auf Verluste. Eine einfache, objektive Validierung kann das alles verhindern. Aber nein, der kleine Trotzkopf ist ja mal wieder verletzt worden von der bösen Welt und fühlt sich im Recht sich nun so zu verhalten. Was ich anderen Menschen dabei antue, ist mir dann meistens völlig egal. Hinterher, ja, hinterher, wenn ich darauf angesprochen werde, oder es vielleicht sogar selber bemerke, tut es mir leid, nicht immer, aber wenn dann ist es aufrichtig und ich schäme mich wirklich dafür. Es gibt nur keine Worte die das besser machen können.

Ich kann ein ebenso mieser Täter sein, wie die, die es in meinem Leben gab, wahrscheinlich sogar noch schlimmer. Ich lüge wann immer es mir nützlich erscheint, nicht immer nur um möglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen, nein, auch um mir ganz egoistisch einen Vorteil zu verschaffen. Immer wieder manipuliere ich Menschen durch die Art, wie ich mich selber darstelle, wie ich schreibe, wie ich andere darstelle. So wie es aussieht will ich wohl doch Mitleid, will das arme Opfer sein um das man sich kümmern muss. Das ist eine erbärmliche Lebensweise und hinterlässt nur verbrannte Erde … und verbrannte Menschen … auf meinem Weg. ‚Mein‘ Weg, ja, ich, der Egoist. Mit aller Gewalt fordere ich ein, was mir vermeintlich zustehen würde, von Menschen, die überhaupt nichts dafür können. Ich bin mir mittlerweile gar nicht mehr sicher, ob die liebevolle Seite von mir nicht auch nur Maske ist, eine Maske, die ich trage nur um mir, mal wieder, einen Vorteil zu verschaffen. Gerade glaube ich sogar, das ich mir Liebe ebenfalls nur einrede und ich in Wahrheit einfach wieder in die Opferrolle will um am Ende wieder bemitleidet zu werden. Ich habe mich schon oft gefragt, ob ich jeh wirklich geliebt habe, ob das nicht immer nur Illusion war. Eine Lüge, so gut, das ich sie mir selber abgenommen habe.

Ich habe ’sie‘ verletzt und da war viel mehr Absicht dahinter als ich zugegeben habe. Ich wollte ihr weh tun mit meinen eMails, ich wollte das sie leidet und habe alles in Kauf genommen und nach jeder Möglichkeit gegriffen, habe versucht Schuldgefühle und Mitleid zu provozieren. Diese Gerüchte waren ein gefundenes Fressen für mich und ich habe sie benutzt um mich ein weiteres Mal in der Opferrolle hervorzutun. Das hier klingt jetzt wieder nach einer Entschuldigung, aber ich bin mir wirklich nicht sicher ob ich das bewusst tue oder ob es nicht schon lange ein Automatismus ist … aber, nein, dies ist keine Entschuldigung für mein Verhalten. Ich habe die Kontrolle über mich.

Ja, gerade geht es mir scheiße, aber zu Recht. Selbst die DBT mit ihrer Validierung kann das nicht schön reden gerade, denn diese Validierung sagt, ja, du darfst dich schlecht fühlen. Nein, ich schiebe mich nicht wieder in die Opferrolle. Ich habe Druck, ja, fürchterlich, aber ich sitze das aus, denn ich, ich verdammt nochmal, habe die verfickte Kontrolle über mich. Ich verstehe nicht, warum ich das bisher nicht sehen konnte, habe ich mich selber so gut angelogen oder wollte ich es mal wieder nicht sehen? Warum muss ’sie‘ mir erst, nachdem sie meinen Blog gelesen hatte, diese eMail schreiben damit das endlich bei mir ankommt? … schlimm genug, das sie das alles hier überhaupt lesen musste. So viel dann zur Selbstreflektion.

Ich stehe gerade, im wahrsten Sinne des Wortes, neben mir, schaue mich an … und schäme mich für das, was da zum Vorschein kommt. Und, ja, ich darf mich schämen, Profil hin oder her. Nein, Scham ist nicht das passende Wort dafür, aber ich kenne kein besseres. Borderline ist kein verfickter Freischein und mein eigenes Wohl ist nicht die Aufgabe der Welt … und noch weniger die von liebevollen Menschen, die ich am Ende emotional oder auch körperlich Schlage, nur damit ich mich wieder als das arme Opfer sehen kann. Gerade … egal. Das klänge falsch. Das würde wieder danach klingen, das ich das Opfer bin. Das muss ich nun mit mir selber ausmachen … und ich muss meine Selbstreflektionsfähigkeit echt nochmal überdenken.

‚What have I become, my sweetest friend?‘ … ein verlogenes, verdammtes, egoistisches, verfluchtes, manipulierendes Miststück. Jips, that’s me. (Und auch hier wieder, nein, kein Selbstwertproblem gerade und ganz bestimmt kein verficktes Selbstmitleid. Und bitte, gebt mir bloß kein Futter hier drauf, am besten gar keine Kommentare, bestätigt mich am Ende nur wieder.)

Ich habe gerade echt das Bedürfnis alle Posts zu löschen …

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