Empathie…

… gehört zum Profil. Ist ja eigentlich auch praktisch … aber es ist ebenfalls ein Fluch. Irgendwie schüttet mir fast jeder, der mich gerade erst kennenlernt, ziemlich fix sein Herz aus … und im Moment kann ich das echt nicht gebrauchen. Ich habe allerdings ein Problem damit, unangenehme Entscheidungen in die Tat umzusetzen. Unangenehm bedeutet hier, das ich Angst vor einem etwaigen Konflikt habe. Ob dieser Konflikt dann auch wirklich eintreten würde und wie dieser aussähe ist völlig egal. Ich sage dann eben nicht, das es mir reicht … oder ich lüge. Das ist ein fürchterlicher Automatismus und sitzt seit der Kindheit ziemlich fest. Dieses Lügen, um ‚Ärger‘ zu entgehen, zieht sich durch alle Bereiche meines Lebens, den privaten Bereich wie auch die Arbeit. Das Gefühl der Scham, das Bewustsein das völlig falsche zu tun ist aber nie verschwunden. Ich bin mir sehr wohl bewust, was ich da mache … aber es läuft automatisch und hinterher ist es noch schwerer das zu korrigieren. Durch das Lügen wird die Wahrheit zu sagen fast unmöglich für mich, da die Konsequenzen sich ja, meiner Vorstellung nach, noch verschärfen … schließlich habe ich doppelt Mist gebaut.

Das ganze ist, natürlich, auch mal wieder mit dem Selbstwert verknüpft. Borderline ist eigentlich gar nicht mehr meine Baustelle. Ja, die Gefühlsextrema, das Maßlose, die Wut und der Hang zur Selbstzerstörung sind akut … doch sind das Dinge, die ich meistens doch ganz gut im Griff habe. Der Selbstwert ist mein eigentliches Problem. Ich kann kaum über einen Zebrastreifen gehen, wenn ein Auto kommt, da ich der Meinung bin, das der Autofahrer für mich nicht anhalten muss. Das sieht echt peinlich aus, wenn ich dann am Zebrastreifen vorbeigehe und umdrehe wenn das Auto weg ist. Klingt lächerlich, ich weiß, aber es ist eine der vielen Auswirkungen meines kaum vorhandenen Selbstwertes. Wie steigert man seinen Selbstwert? … ich habe keine Ahnung. Nein, vor den Spiegel stellen und sagen ‚du bist toll‘ ist erstens peinlich und zweitens nichts das ich in der Lage bin umzusetzen. Ich bin gut im mich selber belügen, aber so gut auch nun wieder nicht.

Vieles, das ich erzähle, klingt harmlos oder einfach lösbar und doch laufe ich mit dem meisten Müll schon über 20 Jahre herum. Ich kann nicht nach dem Weg fragen, Essen bestellen ist schwer, da ich nicht an die Türe will, das Telefon entgegen zu nehmen, wenn ich nicht weiß wer dran ist, geht gar nicht. Wenn ich krank bin, gehe ich ewig nicht zum Arzt, entweder weil ich denke das ich die Zeit des Arztes nicht wert bin oder weil ich meinem Arbeitgeber kein schlechter Arbeitnehmer sein will. Im Internet bestellte Dinge, die am Ende nicht passen oder ähnliches, kann ich nicht zurückschicken … geht einfach nicht. Um Hilfe bitten, jemanden zu fragen ob er Zeit hat mit mir zu reden oder gar Leute ansprechen … es ist zum kotzen. Das fühlt sich an wie ein tausend-eckiges Gefängnis … wo hin man sich dreht eckt man an. Ja, eigentlich sind das alles nur Kleinigkeiten, aber in der Summe wird es echt anstrengend … und alles hängt am Selbstwert.

Nein, es ist nicht so, das ich nicht Dinge an mir finden würde, die ich gut kann. Aber da kommt dann wieder die Ambivalenz auf … gleichzeitig der Tollste und der letzte Dreck. Wieder eine gegensätzliche Empfindung die dann am Ende zur negativen Seite kippt. Bei vielen Entscheidungen führen diese gegensätzlichen Gedanken und Empfindungen meistens dazu, das ich nicht in der Lage bin zu handeln.

Das klingt wieder so ‚mimimi‘ … aber es ist eigentlich nur eine Bestandsaufnahme. Klar ist das in der Summe scheiße, das können wohl die meisten nachvollziehen, aber jammern ist das nicht mehr. Es ist eher der Versuch etwas neutral anzuschauen, das mich gleichzeitig wütend macht und frustriert. Dazustehen und sich selber bei Fehlverhalten zuschauen ohne die, eventuell eingebildete, Möglichkeit etwas daran zu ändern tut einfach nur weh. Ich bin ein Kontrollmensch … und keine Kontrolle über mich selber zu haben ist fürchterlich. Sich nicht auf sich selber verlassen können … bissel blöd.

Ich mache mich, wenn ich ‚Sinn‘ darin sehe, für andere kaputt … und meine eigenen Bedürfnisse bekomme ich nicht gehandelt. Teilweise weiß ich gar nicht mehr, was ich brauche … was soll ich denn schon brauchen. Ich definiere mich dadurch, Menschen, die ich mag, helfen zu können … klar, ohne Selbstwert muss man sich das ja von woanders herholen. Wenn ich jemanden liebe ist dieser Gefühlsvampirismus natürlich am stärksten und lohnendsten. Doch leider ist Liebe auch gleichzeitig das, was mich viel zu verwundbar macht. Klar, jeder der liebt riskiert es, verletzt zu werden … aber bei mir ist das Dauerzustand. Ein falsches Wort, eine komische Reaktion, Ablehnung, … und mir verschwindet der Boden unter den Füßen, mein Herz tut weh, der Kreislauf spinnt, die Gedanken fahren Achterbahn. Ich arbeite daran, hatte das letzte halbe Jahr die Möglichkeit das zu üben und es wird besser. Wer weiß, vielleicht bin ich tatsächlich irgendwann in der Lage, eine Beziehung zu führen … fragt sich nur mit wem dann noch.

Nun denn, ich bin müde und habe Hunger. Die Kopfschmerzen hatte ich ja dummerweise ignoriert … heute Mittag bin ich dann kotzen gegangen und hatte schon Angst, das ich das Novalgin nicht nehmen kann … ging aber nach ner Weile und eine halbe Stunde später waren dann auch die Kopfschmerzen weg. So, Zigarette … bis denne.

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