Die letzten Monate und ich

Es ist gleichzeitig viel und doch eigentlich relativ wenig passiert in den letzten Monaten … und ich habe Absturz auf Absturz hingelegt. Ich habe versucht herauszufinden was ich will, versucht mich zu verwirklichen, versucht nachzuholen, was ich vermeintlich verpasst habe. War alles für’n Arsch.

Ich war um die Jahreswende herum drei Monate lang jeden Abend stockbesoffen, Vodka-Lemon, jeden Abend. Hat aber eigentlich alles nur schlimmer gemacht, meinen Gedanken konnte ich so jedenfalls keine Zügel anlegen.

Dann hatte ich mich an zwei Mädels gehängt, die ich aus der Klinik kenne. Ich dachte mir so, auch Bordis, sollte doch eigentlich in Ordnung gehen. In die eine von den beiden hatte ich mich irgendwie verguckt, dachte ich. Eigentlich gar nicht mein Typ, ja, vom Aussehen her schon, klein, zierlich … aber ansonsten. Nicht gerade die hellste Leuchte, völlig inkompatibler Musikgeschmack und auf ihre Art seltsam oberflächlich … oh, und mit 20 Jahren selbst für mich ein wenig jung. Nun denn, ich habe mich einige Monate lang belügen, ausnutzen und hinhalten lassen, hatte tolle und beschissene Abende, war so besoffen das ich kaum noch laufen konnte, war niveaulos feiern auf Schlagerparties. Das volle Programm. Ich war ehrlich gewesen, und habe die Quittung bekommen. Den Kontakt zu den beiden habe ich mittlerweile abgebrochen, doch passierte das mehr oder weniger von selber.

Auf einer dieser Parties war Pepp mit dabei. Tja, Bordis und Drogen, Bordis und Maß … bin seit drei oder vier Monaten eigentlich fast non stop auf Amphetaminen. Jep, ich weiß was ich mir da antue. Bisher halten sich die körperlichen Schäden, soweit ich sie mitbekomme, in Grenzen. Klar, es gibt Tage, so wie heute, da schaffe ich es kaum mir etwas zu essen zu machen weil ich vor Schwäche kaum stehen kann … doch ist das wahrscheinlich eine Mischung aus den Drogen und der Fibromyalgie, da ich meine Medis nicht mehr nehme …

Mit meiner Psychologin habe ich mich überworfen, den letzten Psychiatertermin habe ich wohl auch versäumt. Keine Ahnung was ich da wieder hinbiegen kann und will.

Ich habe Tage und Nächte lang auf dem Balkon gesessen, mich in unsinnige Programmierprojekte gestürzt nur um sie nach Tagen der Arbeit wieder wegzuwerfen. Teilweise war ich eine ganze Woche am Stück wach, nur auf dem Balkon hinter meinem Laptop. Damit habe ich mir wohl die Beine kaputt gemacht, doch scheiß drauf. Ich bin abgetaucht, habe jeglichen Kontakt zu allen abgebrochen, mein Handy war wochenlang aus, habe nicht gearbeitet … habe nun auch die wohlverdiente Abmahnung von meiner Arbeitsstelle kassiert.

Ich bin immer noch dabei das Desaster da aufzuräumen. Bei einigen Leuten habe ich direkt die Gelegenheit genutzt und lasse den Kontakt weiterhin brach liegen … habe keinen Bock mehr auf ‚freundschaften‘ bei denen ich mich verbiegen oder unter’m Strich mehr gebe als das ich nehme.

Das Fazit aus den letzten Monaten: ich bekomme es mittlerweile recht gut hin, meine Gefühle zu unterdrücken. Ich halte mich auf einem Level, erlaube mir keine Freude und verhindere so die Gefühlsmäßigen Abstürze. Hin und wieder ergibt sich mal ein Rahmen dafür, das ich dann doch mal Freude zulassen kann, und wenn es nur beim Musik hören ist. Ist kein tolles System, aber es funktioniert. Weiterhin habe ich mir alle Wünsche, Träume und Hoffnungen abgetötet … irrationaler Bullshit der niemanden glücklich macht. Lebt sich ohne viel ruhiger … wenn man das was ich hier gerade tue noch ‚leben‘ nennen kann.

Ja, ich richte mich gerade systematisch zu Grunde, verbrenne meine Brücken und ergebe mich meinem alten Menschenhass. Sam hat mir wohl im vergangenen halben Jahr zwei Mal das Leben gerettet … ein mal, während der Vodka Phase, als ich nachts beinahe an meinem Erbrochenem erstickt wäre und vor einigen Wochen als ich nachts auf einmal nicht mehr atmen konnte. Keine Ahnung woher dieser Atemstillstand da kam … ist mir auch eigentlich egal.

Geschnitten habe ich mich schon lange nicht mehr … aber brauche ich ja wohl auch nicht bei dem ganzen anderen Mist. Trinken tue ich fast gar nichts mehr, bis auf die Tage an denen ich feiern gehe. Seit einiger Zeit bin ich wieder in der schwarzen Szene in Bonn/Köln unterwegs. Hat mir unsäglich gefehlt das alles. Tut fürchterlich gut jedesmal. Wenn ich nun noch in der Lage wäre, Menschen anzusprechen, könnte ich mir zumindest eine Clique für lustige Szene-Party-Abende suchen … naja, manchmal haben die Menschen dann doch noch Mitleid mit mir und sprechen mich an. Im Shadow in Leverkusen habe ich nun zumindest schon einmal Zugang gefunden. Mal schauen was sich ergibt.

Ja, an meinem Selbstwert hat sich nix geändert. Ebensowenig daran, das es mir egal ist ob ich lebe oder sterbe. Ich habe mir ein Ziel für die nächsten Jahre gesetzt, damit komme ich klar. Ist noch eine Weile bis dahin … und es kann viel passieren in der Zwischenzeit.

Und nun? … ich verbringe die Zeit in meinem Zimmer, meinem selbstgewähltem Gefängnis, manipuliere mich mit Musik, schiebe mich von einem Gefühlszustand in den anderen, versuche zu arbeiten und starre die Decke an. Musik ist tatsächlich das einzige, das mich wirklich noch erreicht. Alles andere ist mir scheiß egal, meine Umwelt, meine Kollegen, meine Familie, ich. Es ist niemand mehr da, dessen Existenz oder Meinung schwer genug für mich wiegen würde um das als Grund zu nehmen irgend etwas an meiner momentanten Lage zu ändern. Keiner mehr da, keiner in Sicht … und das wird sehr wahrscheinlich auch so bleiben. Aber das ist Okay so. Ich kann meine Stimmung selber beeinflussen … ob ich nun depri oder fröhlich bin, liegt bei mir. Das das alles nur Manipulation ist, ist unerheblich. Für den Moment werden diese manipulierten Zustände Realität … und das ist das einzige das zählt. Wie es wirklich in mir aussieht ist da völlig egal. Es ist eh keiner mehr da, mit dem ich reden kann oder will. Mein Leben ist meine Sache … ich teile das nicht mehr.

Ja … irgendwie bin ich im letzten halben Jahr verbittert … ich bin fertig mit mir selber, mit den Menschen und dem Leben. Ich erwarte nichts mehr, wünsche mir nichts mehr, hoffe auf nichts mehr. So lebe ich nun von Tag zu Tag … oder besser gesagt ’so sterbe ich nun von Tag zu Tag ein Stückchen mehr‘.

Ich weiß, das klingt jetzt wahrscheinlich völlig bekloppt, noch bekloppter als sonst, aber mir geht es trotzdem, perverserweise, irgendwie gut damit. Es ist ein Zustand, der zu großen Teilen meiner Kontrolle unterliegt. Kaum Überraschungen, kaum noch Dinge die mich aus der Bahn werfen können … und ein ebenso kontrolliertes Gefühlsleben. Ich sterbe schon nicht einfach so, keine Sorge … ich habe es oft genug darauf angelegt, aber irgend ein Depp kommt immer vorbei und rettet einen … oder es passiert irgend etwas anderes. Das mir alles und jeder egal ist, hilft ebenfalls. Kein Mensch der mich hält, der Grund für mich ist irgend etwas zu tun oder zu lassen, keine Rechtfertigungen mehr. Ich bin das so leid mich immer wieder zu erklären … ich kenne jede eurer Argumentationen auswendig … denkt nicht ich hätte nicht selber schon alles durchdacht … aber es ändert nichts mehr … es zieht nichts mehr … es berührt mich nichts mehr. Für viele mag das alles kein erstrebenswerter Zustand sein … für mich ist es einer, der funktioniert, der es mir ermöglicht auch mal mit einem Lächeln herumzulaufen … eines, das sogar manchmal echt ist.

Nein, keiner von euch kann mir gerade irgendwie in’s Gewissen reden, alles was ihr sagen wollt, kenne ich schon. Keiner von euch steckt in meinen Schuhen … und keiner von euch ist mir gerade wichtig genug um auf ihn/sie zu hören. Versucht es erst gar nicht. Alles was ihr dadurch erreicht ist, das ich euch noch viel weniger zuhöre und mich wahrscheinlich einfach von euch verabschiede. Das hier ist mein verficktes, beschissenes, armseliges Leben und ich habe jedes Recht dazu daraus zu machen, was ich will … denn wisst ihr was? Ich muss mit mir klar kommen … keiner von euch ist dann da … keiner von euch kann mir dann helfen … darum erspart mir jegliche Moralpredigt. Ich werde so weitermachen wie bisher … bis sich etwas ändert oder bis ich auf die eine oder andere Art dann endlich verrecke.

Nun denn … das sollte so eigentlich nicht auf’s ‚Papier‘ … das ging alles viel zu weit, aber ich lasse das nun so stehen. Ich bin durch das ständige Lügen so drinne, das ich teilweise schon automatisch lüge … aber das da oben ist tatsächlich mal die Wahrheit … wenn es wen interessiert.

Und nun das Beste zum Schluss: mir geht’s gut.

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